Unikat im Lager des Porsche-Museums entdeckt: Luxus-SUV Cayenne als Cabriolet

Das mit dem Cayenne beschäftigte Team bei Porsche dachte bei der Konstruktion des neuen Flaggschiffs auch über alternative Karosserieformen zum klassischen Fünftürer nach. 
         von Achim Stahn
 
 
Daher machten sich die Kreativen in der Designabteilung parallel schon mal Gedanken.
Somit lagen bereits kurz nach dem Verkaufsstart der ersten Generation im Dezember 2002 drei zusätzliche Varianten auf dem Tisch:
- Coupé
- um 20 Zentimeter gestreckte Langversion mit sieben Sitzplätzen
- Cabriolet mit zwei statt vier Türen wie im Original

Es wurde eifrig diskutiert, die Marktchancen weltweit genauestens analysiert, im Hintergrund in den Designstudios rund um Designchef Harm Lagay auch schon tüchtig gezeichnet. 
Einige hatte er mir mal bei einem Besuch gezeigt.
Reden oder schreiben durfte ich darüber nicht.
Habe ich auch bis heute nicht getan.
Auf jeden Fall war ich von den Ideen begeistert.
 
Am Ende blieb nur die offene Variante mit rund 4,8 Meter Länge übrig. 
Natürlich gab es auch damals Computersimulationen die in Originalgröße auf eine Wand projizierte wurden. 
Doch das ist immer nur der erste Schritt um die Wirkung zu testen.


Originalgetreue Vorlage 

Real erlebbar wird ein Wagen erst mit einem so genannten Package-Funktionsmodell. 
Das ist nicht fahrbereit aber total wirklichkeitsgetreu. 
Dazu wurde das Dach eines Cayenne entfernt, die für ein Cabrio nötigen Karosserieversteifungen allerdings in diesem Stadium noch nicht eingebaut. Die erste Hürde war genommen, nun galt es vier wichtige Kriterien zu prüfen, die noch vor einer möglichen Serienfertigung standen.

Zuallererst war da die Frage, ob alle vier Passagiere trotz coupéartigem Dach, gekürzter Windschutzscheibe und A-Säulen gut sitzen. Fazit: positiv. Zu prüfen war auch, ob die 20 Zentimeter längeren Türen im Alltag praktisch sind und wie sich ein faltbares Stoffverdeck schnell im Heck unterbringen lässt. Auch hier standen die Ampeln auf Grün.

Wie wir alle wissen, blieb dies ein Einzelstück, letztlich waren die Prognosen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit nicht so prickelnd. Erst viele Jahre später (2019) wurde die Idee eines Coupés erfolgreich umgesetzt. „Ein SUV als Cabriolet ist ästhetisch und formal schon eine Herausforderung“, sagt Michael Mauer, der heutige Designchef. Allerdings: auch beim ersten Cayenne waren die Bedenken groß, die Verkaufszahlen straften diese jedoch nachhaltig ab.

Verdeckmechanismus wie beim aktuellen 911 Targa

Für das Verstauen des geöffneten Verdecks war ein heute bekannter Mechanismus angedacht: Der Kofferraumdeckel ist vorne und hinten angeschlagen, kann in beide Richtungen öffnen. 
Das Dach sollte über den feststehenden Überrollbügel nach hinten gefahren und dort unter dem gegenläufig geöffneten Kofferraumdeckel in einer Z-Faltung abgelegt werden. 
Ähnlich wie seit der Generation 991 beim 911 Targa. 
Beim Cayenne Cabriolet wurde der Mechanismus jedoch nie fertig konstruiert. 
So liegt das Stoffdach im Kofferraum, wird bei Bedarf von Hand montiert.
 


 
Schwierig war es für alle Beteiligten, sich über das Aussehen vom Heck zu einigen.
Daher bekam das Package-Funktionsmodell zwei unterschiedliche Heckpartien: 
- mit tiefer Rückleuchte links für einen eher luxuriösen Eindruck
- mit deutlich höherer Rückleuchte rechts für einen sportlicheren Eindruck. 
 


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