Ohne e-Fuels und Co bleiben Elektroautos nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Sie hatten sich viel vorgenommen, der Bundesverband Bioenergie (BBE), die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP), der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) und der Fachverband Biogas (FvB). 
                    von Hans-Robert Richarz 

 

Als Veranstalter des 19. Internationalen Fachkongresses für erneuerbare Mobilität ließen sie unter dem anspruchsvollen Titel „Kraftstoffe der Zukunft“ mehr als 60 Redner die Frage diskutieren, welchen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele der Einsatz von erneuerbaren Kraftstoffen leisten könne. 

Insgesamt umfasste das fünftägige Mammutprogramm 15 Arbeitskreise und Diskussionsrunden.

e-Fuels        Foto: Continental
 
Deutsche und internationale Fachleute aus dem Biokraftstoffsektor, der Mineralöl-, Automobil- und Chemieindustrie sowie aus der Wissenschaft und Politik informierten dabei über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Nationen über Möglichkeiten der Verkehrswende mit Hilfe CO2-armer Mobilität. 

Im Mittelpunkt standen die neuesten Technologien und Maßnahmen für die Reduktion der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor. 
Der Kongress bildete dabei die komplette Bandbreite erneuerbarer Kraftstoffe ab, von Biokraftstoffen über E-Fuels bis hin zu Wasserstoff.

Immer verbunden mit dem Grundtenor: Ein Verbot für Verbrennungsmotoren bringt nicht nur den Straßenverkehr auf den Holzweg. 
 
Synthetischer Kraftstoff aus dem Karlsruher Institut für Technologie

Das betonte auch BBE-Chef Artur Auernhammer bei seiner Eröffnungsrede. 
Nachhaltige Biokraftstoffe stellen schon 2020 mit mehr als 13 Millionen Tonnen vermiedenen CO2-Emissionen den weit überwiegenden Anteil der Treibhausgasminderung im Verkehr dar. 
„Sie werden absehbar für Emissionsminderungen im Fahrzeugbestand unverzichtbar sein“, betonte er. „Biokraftstoffe sind vorhanden und erprobt und somit das effizienteste und schnellste Instrument für eine Treibhausgasminderung.“
 
Laut Daniela Kluckert (Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr) führt eine Zukunft ohne Verbrennungsmotor in die Irre. 

Sie bezeichnete die Erreichung der Klimaziele als „Herkulesaufgabe“ in allen Sektoren: 
„Wir brauchen alles, was zur Treibhausgasminderung im Verkehrssektor führt, ohne die Mobilitätsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft einzuschränken.“ 
 
Der Europaabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses Jens Gieseke sprach sich ebenfalls klar gegen ein de-facto-Verbot des Verbrennungsmotors ab 2035 aus und forderte stattdessen ein Anrechnungssystem für erneuerbare Kraftstoffe. 

Gieseke warnte angesichts der aktuell in Brüssel laufenden Verhandlungen zum „Fit for 55“-Paket für Technologieneutralität beim Klimaschutz im Verkehr und warnte angesichts der großen Herausforderung bei der Transformation davor, allein auf Elektromobilität zu setzen. 

Nicht ohne Grund: Ein „All-electric“-Ansatz hat extrem negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt - mit 100.000en Entlassungen gut bezahlter Arbeitskräfte - und würde anstelle einer fossilen eine strombasierte Abhängigkeit forcieren.
Wo der Strom herkommen soll, das ist ein großes Fragezeichen. Wahrscheinlich aus Kernkraftwerken in den europäischen Ländern rund um uns …
 
Bereits heute ist absehbar, dass selbst bei Erfüllung der ehrgeizigen (alle nicht „gekauften“ Experten sagen auch irrwitzigen) Elektromobilitätsziele 2030 der weitaus größere Teil der Fahrzeugflotte mit Verbrennungsmotoren unterwegs sein wird. 
 
Auch Verbrenner müssen einen steigenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. 
Richtig ist daher, dass der aktuelle Klimaschutzbeitrag der markteingeführten Biokraftstoffe mindestens abgesichert und durch den Ausbau fortschrittlicher Biokraftstoffe und schließlich auch synthetischer Kraftstoffe ergänzt wird.
 
Am Ende des Kongresses waren sich die Veranstalter einig: 
Beide Kraftstoffe stehen für ihren Einsatz bereit. 
Ein Konkurrenzkampf zwischen e-Fuels und Biokraftstoffen ist jedoch wenig zielführend. 
Beide Technologien müssten weiter gefördert und genutzt werden. 
Jede besitzt eigene Stärken, innovative Biokraftstoffe würden auch in Zukunft benötigt. 
 
Als Konsens muß eine nachhaltige Mobilität sowohl durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur als auch durch die Bereitstellung von nachhaltigen Biokraftstoffen und erneuerbaren Kraftstoffen einfacher und nutzerfreundlicher gestaltet werden.

 

 Produktion von synthetischem Kraftstoff     Grafik: e-Fuel Alliance


 

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