Citroën C10: wäre das mutige Modell in Serie gegangen, hätte dieser Franzose die Welt verändert

Der 3,84 Meter lange Prototyp wurde 1956 präsentiert, wobei die Idee dazu bereits drei Jahre zuvor entstand. Ein revolutionäres Fahrzeug in allen Bereichen – von Optik und verwendeten Materialien bis zum Minigewicht von gerade einmal 382 Kilogramm.
          von HaJo Rummel
 
Entwickelt wurde der Viersitzer als billiges und autobahntaugliches Familienauto mit Flügeltüren.
Hinter diesem Projekt steckte André Lefèbvre.
Der Luftfahrtingenieur holte während seiner Zeit als Rennfahrer einen Sieg auf der Rallye Monte Carlo im Jahr 1927 nach Hause.  
 
Seit 1933 arbeitete er bei Citroën – und wie.
Vier der genialsten Fahrzeuge des französischen Herstellers kommen von ihm: 
- Citroën Traction Avant
- Citroën 2CV ("Ente")
- Citroën DS
- Wellblech-Lieferwagen Citroën Typ H (HY)

Möglichst günstig und langstreckentauglich

So ein Familienauto sollte er entwickeln. 
1953 ging es los, in den Folgejahren wurden 10 Prototypen entwickelt.
Die Nummer 10 sollte das Endprodukt sein, der Wagen stand kurz vor dem Serienstart.
 
Als Antriebsquelle diente der 425-Kubik-Zweizylinder vom 2CV. 
Der leistete 12 PS und war zwischen den Vorderrädern platziert. 
Damit war eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h möglich.  
Mit Blick auf das gerade entstehende Netz von Autobahnen ein gutes Verkaufsargument.
 
Für die äußere Gestaltung orientierte sich Citroëns Entwicklungsleiter an einer Tropfenform mit stark verjüngendem Rücken.
Sein Wissen auf dem Gebiet der Aerodynamik war dabei sehr hilfreich.
Das hatte er sich zuvor beim Flugzeugbauer Gabriel Voisin angeeignet. 
 
Windkanal-Messungen ergaben einen Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,23. 
Wegen der stark abfallenden Dachlinie sitzen die hinteren Passagiere deutlich tiefer.
Dank konsequentem Leichtbau brachte der Franzose nur 382 Kilo auf die Waage.

Zur Serienstart kam es dann aus unterschiedlichen Gründen nicht.
Sicher ausschlagebend war, dass Lefébvre durch einen Schlaganfall stark beeinträchtigt wurde.
Seine rechte Körperhälfte war gelähmt, arbeiten war nur sehr eingeschränkt möglich.
Etwas später dann gar nicht mehr.
 
Der Serienproduktion des futuristisch anmutenden Tropfenwagens gab dann der Ami 6 von Designer Flaminio Bertoni das Aus.
Der besetzte ab 1961 die untere Mittelklasse für Citroën.




Hier noch ein kurzer Film von der Oldtimermesse Retromobile 2019:


 







 
André Lefèbvre wusste aus seiner Zeit im Flugzeugbau, dass Leichtbau bis ins letzte Detail  auch im Automobilbau ein wichtiger Trumpf ist.
Heute, 70 Jahre später, besinnen sich die Automobilhersteller nach wüsten Gewichtsorgien wieder darauf. Wenngleich die immens schweren Batterien der E-Autos immer noch in die falsche Richtung deuten.
 
André Lefèbvres Devise jedenfalls war: leicht, leichter, noch leichter. 
Da gab es allerhand kreative Ideen.
So bestanden zum Beispiel die Lehnen der Vordersitze  aus einem mit Schaumstoff überzogenen Schnurgeflecht. 
Soll laut einem Zeitzeugen sogar richtig komfortabel gewesen sein.







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