Buch-Tipp Nr. 122 für alle Fans unbeschränkter Mobilität, diesmal geht es um Muscle Cars aus den USA
Das Rezept für ein so genanntes Muscle Car ist einfach: Brot und Butter Auto plus möglichst gewaltiger Motor (also ein V8) und kerniger oder vielleicht auch skurriler Modellname. Fertig ist das Objekt der Begierde. Jedenfalls war das so in den USA in den 1960er bis zum Beginn der Siebziger Jahre.
Damals gingen die Macher hemmungslos mit Hubraum, PS-Zahlen und Drehmoment um.
Die waren auch nötig um sich mit guten Beschleunigungszeiten bei illegalen Rennen zu posen.
Und mit Blubbersound ums Eck und durch die Gegend zu cruisen.
Gerne auch in einem Cabrio.
Es war die Zeit von Samstag-Abend-Spaß vor der Ölkrise, dem unbändigen Wunsch nach Freiheit und Anderssein im Vergleich zur Eltern-Generation.
Jenseits von Verbrauchsoptimierungen und CO2-Diskussionen.
Und genau darum geht es in diesem Buch aus dem Heel Verlag.
Dazu gehörten auch Ampelrennen auf den Hauptstraßen (gerne nachts, am Tag ebenfalls), vor allem in den kleinen und mittelgroßen Städten.
Denn da war sonst nicht viel los. Ehrlich gesagt, gar nichts los.
Wichtig waren vor allem gute Werte im Viertel-Meilen-Sprint – das sind exakt 402,33 Meter.
Dass die Power-Boliden auch
mal Kurven schnell durchfahren mussten oder gar mal die Bremse im Notfall umgehend das Tempo verzögerte sollte, das war in den Anfangsjahren nur
von einer eher nebensächlichen Natur.
PS, Spaß und Rock-’n’-Roll
Der 1973er Kinofilm „American Graffiti“ vom damals noch sehr jungen George Lucas – der vier Jahre später Krieg der Sterne produzierte und dafür 1978 sechs Oscars gewann – zeigt das wunderbar.
Gedreht wurde in Lucas Geburtsort Modesto, eine Provinzstadt östlich von
San Francisco im San Joaquin Valley.
Weil der Stadtrat nur Drehgenehmigungen für zwei Tage gab, entstanden viele Szenen in Tetaluma, einer ähnlich aussehenden Kleinstadt nicht weit entfernt.
Wichtig im Film war auch die Musik, 40 Rock-’n’-Roll-Titel aus den 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Mit Buddy Holly (That’ll be the Day), Bill Haley & His Comets (Rock Around the Clock) und Chuck Berry (Johnny B. Goode) bis The Beach Boys (All Summer Long).
Genau die Musik war auch bei den Fans der Muscle Cars angesagt.
Die V8-Monster mit 300 bis 400 PS gab es gebraucht beim Pontiac- oder Chevy-Händler um die Ecke für wenig Geld oder neu nach eifrigem Sparen und mit Geld von Daddy.
Die Schalldämpfung aus den Auspuffrohren war eher dürftig, möglichst breite Reifen und große Felgen mussten es auch sein.
Autor David Newhardt kämpft sich durch diese Zeit, präsentiert eine erlesene Auswahl legendärer Vertreter der Muscle-Car-Ära. Insgesamt sind es 47.
Die opulenten Bilder dazu setzte der kalifornische Studiofotograf Peter Harholdt aufwändig in Szene.
Interessante Erläuterungen und historisches Bildmaterial runden das opulent ausgestattete Werk ab.
Das Buch teilt sich in drei Abschnitte, unterteilt die Geschichte der Muscle Cars nach Epochen:
1. Die Jahre der Unschuld - 9 Modelle von 1964 bis 1968
2. Die excessiven Jahre – 27 Modelle von 1969 bis 1970
3. Die letzten Jahre – 12 Modelle von 1971 bis 1974
Die Autos werden kurz und knackig mit vielen hervorragenden Bildern präsentiert.
Inklusiver kleiner Statistik mit den wichtigsten Informationen.
Ausklappseiten zeigen einige Modelle richtig großformatig.
Eine komplette Auflistung der technischen Daten gibt es hier allerdings nicht.
In diesem umfangreichen Werk sind sie alle versammelt: Pontiac GTO (mit ihm startete 1964 die Zeit der Muscle Cars) und Plymouth Roadrunner, Superbird, Ford Mustang Boss 429 und Dodge Super Bee, natürlich auch Ford Torino Talladega, Chevrolet El Camino SS 454, Mercury Cyclone Spoiler Dan Gurney Edition oder der legendäre Dodge Charger Hemi 426 aus dem Jahr 1967.
Einige Fahrzeuge wurden auch direkt aus dem Rennsport abgeleitet.
Zum Beispiel der Dodge Charger Daytona und Mercury Cyclone Spoiler.
Nach dem Motto „win on sunday, sell on monday“.
Auch die Polizei fuhr gerne Muscle Cars um Gangster effektiv verfolgen zu können.
Der im Buch
vorgestellte Javelin 401 aus dem Jahr 1971 ist ein gutes Beispiel dafür.
Unser Fazit:
Ein herausragender Bildband mit atemberaubenden Fotos im Großformat über
die wahrscheinlich aufregendste Zeit im amerikanischen Automobilbau, den Muscle Cars. Und das alles zu einem vernünftigen Preis.
Fakten zum Buch
Buchtitel: Ultimate Muscle Car
Autoren: David Newhardt und Peter Harholdt (Fotos)
Verlag: Heel Verlag
Maße: 27,5 x 31,0 cm
Verarbeitung: Hardcover mit Schutzumschlag
Besonderheit: Ausklapptafeln mit vier Fotodrucken
Gewicht: 2,1 kg
Seitenzahl: 240
Fotos: 350
ISBN: 978-3-86852-809-1
Preis: 49,95 Euro
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