TV-Tipp: am 23.9.2021 zeigt ARTE ab 20.15 Uhr eine Dokumentation zur legendären Rennstrecke Avus

Am 24. September 1921 war Tag eins: das erste Rennen gewinnt Franz Hörner auf einem Benz 10/30 PS Rennwagen in der Klasse X B (Wagen mit bis zu 10 Steuer-PS und hängenden Ventilen). Auf einer Strecke von 157,4 km erreicht er einen Durchschnitt von 118,1 km/h. Damals eine Sensation.
von Achim Stahn

 

Die jeweils etwa zehn Kilometer langen Geraden wurden durch zwei Kehren verbunden. 
Die AVUS war vom ersten Tag an eine Hochgeschwindigkeitsstrecke.
Denn das war damals ein wichtiges Zeichen für Fortschritt.
Ist heute im Prinzip auch nicht anders.
Die Entwicklung des Autos sollte die Avus ebenfalls vorantreiben.
 
24.09.1921: der spätere Sieger des ersten Avus-Rennen Franz Hörner mit Beifahrer Georg Wenz im 10/30-PS Benz-Rennwagen.

 
Doch die Avus hatte so ihre Tücken, gefährliche Tücken. 
So verwandelte sie sich bei Regen in eine glatte Rutschbahn. 
Schon die ersten Rennen in den 20er Jahren forderten zahlreiche Todesopfer.
Nicht ohne Grund, denn Anschnallen und Kopfschutz gab es nicht.
Stattdessen Mut und Lederkappe auf dem Kopf.
Eine gigantische Steilkurve kam später dazu.
 
Internationales Avus-Rennen am 30. Mai 1937:
  • 30. Mai 1937
    Rudolf Caracciola (Startnummer 35) im Mercedes-Benz Stromlinien-Rennwagen W 125 mit 8-Zylinder-Motor.   Foto: Mercedes-Benz Classic
 
  • 30. Mai 1937
    Hermann Lang siegt im Endlauf des formelfreien Avus-Rennens in Berlin auf einem W 125 Stromlinienrennwagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 261,2 km/h. Dies ist nicht nur ein neuer Streckenrekord, sondern zugleich auch die höchste in einem Rennen erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit – dieser Rekord wurde erst 1958 (!) übertroffen.
     
  • 30. Mai 1937
    Mit der Startnummer 36 gewinnt Manfred von Brauchitsch den zweiten Vorlauf mit seinem Mercedes-Benz Stromlinien-Rennwagen W 25.
 
 
Nach dem 2. Weltkrieg erinnerten die 50er Jahre wieder an alte Glanzzeiten. 
Doch die Probleme der Strecke blieben:.
Die Steilkurve forderte immer wieder Opfer. 
Der Franzosen Jean Behra verunglückte dort 1959 tödlich.
 
Hans-Joachim Stuck: Der ex Formel-1-Fahrer gewann in der Tourenwagenmeisterschaft DTM als einziger drei Mal auf der AVUS.    Foto: Egon Braun

 
Kritik gab es immer, die Avus galt vielen als zu gefährlich. 
1967 kam dann das Aus für die Steilkurve.
Rennen gab es weiterhin – und tragische Unfälle. 
 
Doch die Avus war für viele Berliner immer auch ein Symbol der Freiheit.
Nach der mühsamen Durchquerung der DDR-Transitwege voller Löcher und hinter Tempobeschränkungen lauernden Abzocker-Vopos konnte man zu Zeiten der deutschen Teilung ohne Tempolimit in die Innenstadt von West-Berlin rollen.
 
Mit dem heute gerne von selbsternannten Grünen verunglimpfendem Rasen hatte 150 km/h oder mehr bei derart gut ausgebauten Straßen damals nichts zu tun.
So wie heute in um Welten moderneren/sicheren Autos.
Wo uns irgendwelche Oberlehrer nur 130 km/h erlauben.
Auf dreispurigen, bestens vorbereiteten Straßen und abseit von Orten 
 
Und dort natürlich regelmäßig Blitzfallen aufstellen.
Oder sogar stationär installieren.
Um leere Kassen zu füllen, bzw. die Vorgaben von ganz oben zu erfüllen. 
Wegelagerer, sagte man früher zu solchen menschenverachtenden Aktionen.
Manche sagen auch kriminell zu derartiger Abzockerei.
Wer einmal mit den Aufstellern der Blitzer gesprochen hat, könnte noch viel mehr dazu schreiben.
Zum Beispiel: "wir stehen eigentlich nie da, wo es unfallgefährlich ist".
 
Doch zurück zur Avus.
Heute ist die erste Straße ausschließlich für Kraftfahrzeuge noch immer in den Köpfen ihrer Fans lebendig.
Als beeindruckende Rennstrecke und Legende.
Die gleichnamige Dokumentation bei ARTE dauert 52 Minuten.
Regie: Elias von Salomon
 
 
Hier ein kurzer Film vom Avus-Rennen am 30. Mai 1937:
 

 
Noch ein Tipp
Hautnah lässt sich die Avus bald in Einbeck erleben.
Am 12. September startet dort die Sonderausstellung „AVUS“.
Im Auto-Erlebnismuseum PS.SPEICHER.
Mit originalen Fahrzeugen und diversen Exponaten.
Etwa zur gleichen Zeit erscheint das Buch „Ein rasantes Jahrhundert” von Ulf Schulz im Prestel Verlag.

 

 

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