Beim Gebrauchtwagenkauf geht Gründlichkeit immer vor: entweder gleich beim Markenhändler oder mit Hilfe eines erfahrenen Sachverständigen

Im Jahr wechseln in Deutschland Millionen Gebrauchtwagen den Besitzer. Nicht selten erleben Käufer jedoch später böse Überraschungen: durch manipulierte Tachos, verschwiegene Schäden, fehlende Papiere oder Andrehen von gestohlenen Autos. 

 

Auf Nummer sicher gehen Käufer bekanntermaßen bei den Markenfirmen unserer Region und in den dortigen Gebrauchtwagenabteilungen. 
Dort hilft man auch bei der Suche nach einem speziellen Modell.      

Der Kauf im Autohaus oder angeschlossenem Gebrauchtwagencenter ist immer sicherer.    Foto: Foto: CosmosDirekt

    

Mit dem ADAC haben wir hier wichtige Tipps zusammengestellt.
Auf diese sollte jeder beim Kauf achten:
- wichtig ist eine lückenlose Fahrzeugdokumentation
- wichtig ist ein gepflegtes Serviceheft
- wichtig ist ein Bericht der jüngsten Hauptuntersuchung
- wichtig ist die AU-Bescheinigung
- den Gebrauchten in Ruhe, bei Tageslicht und trockenem Wetter besichtigen
- eine ausführlich Probefahrt ist unumgänglich
- Fahrzeugpapiere unbedingt auf Vollständigkeit überprüfen
- prüfen ob der Verkäufer tatsächlich Eigentümer ist
- alle mündlichen Zusagen schriftlich bestätigen lassen. 
 
Für den Laien ist ein gründlicher Check keine leichte Aufgabe.
Daher ist die Hilfe eines Profis anzuraten.
Die gibts im ADAC Prüfcenter, bei Dekra, TÜV oder freien Sachverständigen. 
Das Geld dafür lohnt sich immer.


Rundgang ums Auto

Er liefert einen ersten Eindruck vom technischen Zustand (Rost, Dellen, Kratzer). 
Ist das Fahrzeug nicht gewaschen, ist das schwieriger zu kontrollieren. 
Auch Reifen, Scheiben, Scheinwerfer und Blinker begutachten.
 
Der Blick unters Auto zeigt, ob es Öl oder andere Flüssigkeiten verliert. 
Dies kann auf ein Problem in Motor oder Getriebe hinweisen. 
Schläuche und Dichtungen überprüfen. 
Trübe Kühlflüssigkeit im Behälter könnte an einer defekten Zylinderkopfdichtung liegen. 
Rollen Sicherheitsgurte nicht problemlos auf, müssen neue her.  

 

Probefahrt ist wichtig

Sie ist auch unbedingt notwendig um den Zustand zu beurteilen. 
1. Am besten mit einer Begleitperson, die zusätzlich auf Störgeräusche (können Indiz für Schäden sein) achten kann. 
So gibt es Klarheit über Fahrverhalten und technische Eigenheiten. 
2. Anzeigeinstrumente im Cockpit, (Kontrollleuchten, Tacho, Drehzahlmesser etc.) überprüfen. 
3. Auch Klimaanlage, elektrische Außenspiegel, Sitzheizung, Radio und alle anderen elektrischen Funktionen müssen natürlich funktionieren. 
4. Das Getriebe sollte sich leicht schalten lassen.
5. Das Lenkrad darf nicht vibrieren. 
6. Bremsen müssen gezielt überprüft werden.
Dafür empfiehlt es sich, außerorts auf einer freien Nebenstrecke kurz auf etwa 100 km/h zu beschleunigen und dann dosiert immer stärker zu bremsen. 
So lässt sich auch erkennen, ob der Wagen in der Spur bleibt oder sich ungewöhnlich verhält.
 
Extra-Tipp: 
Wie schon gesagt, eine Gebrauchtwagen-Untersuchung bei Prüforganisation oder Gutachter ist anzuraten. 
So bekommt man eine neutrale Einschätzung des Autozustandes vom Fachmann.

 

Gefälschter Fahrzeugschein   Foto: Polizei Köln

Vorsicht Internetbetrug

Beim Kauf im Internet meinen viele, jede Menge Geld sparen zu können. 
Doch immer mehr fallen auf eine fiese Betrugsmasche rein: 
das Schnäppchen ist gestohlen, versehen mit falschen Papieren.
 
Die Masche geht laut Polizei so: 
Bei der Suche im Internet stößt der Interessent auf ein „super Angebot“.
Er nimmt Kontakt auf, vereinbart ein Treffen. 
„Oft verspätet sich der Verkäufer dann, weil er erst ausspioniert, ob es ein harmloser Käufer oder die Polizei ist“, berichtet Kriminalhauptkommissar Jürgen Endres von der Kölner Polizei. 
Fühlt sich der Verkäufer sicher, folgt nach einer problemlosen Probefahrt die Übergabe. 
Der Kaufvertrag wird unterschrieben, bar bezahlt. 
Bei der Ummeldung auf der Zulassungsstelle kommt dann heraus: Auto und Zulassungspapiere sind gestohlen.
 
Daher Vorsicht bei zu verlockenden Angeboten!
Skeptisch sein und alles hinterfragen, z.B.: 
- warum ist er so viel günstiger? 
- warum kaufte ihn dann kein Händler? 
 
Fahrzeugcheck nur an der Wohnanschrift des Verkäufers (Klingelschild überprüfen). 
Zulassungspapiere gut anschauen, die stecken manchmal voller Fehler.
Doch Rechtschreibfehler sind in amtlichen Dokumenten nicht zu finden. 
 
Auf der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) ist auf der Rückseite bereits die Ausstellungsbehörde aufgedruckt. 
Stimmt diese mit der auf der Vorderseite überein oder wurde sie nachträglich verändert?
 
Den Personalausweis des Verkäufers zeigen lassen.
Wichtig: ist darin tatsächlich das Bild des Verkäufers?
Oft werden dafür Ausweise aus Taschendiebstählen genutzt. 
 
Betrüger beenden Verkaufsverhandlungen in der Regel sofort, wird die telefonische Überprüfung des Autos bei der Polizei angekündigt.

 

Ein manipulierter Tacho kann den Preis für den Gebrauchten kräftig in die Höhe treiben.   Foto: ADAC

Fiese Tachobetrüger

Die Trickser verwenden handliche Manipulationsgeräte (legal erhältlich). 
Die meisten Autos sind binnen Sekunden auf einen beliebigen Kilometerstand zu manipulieren, so der ADAC. In der Regel durch einfachen Anschluss an die Diagnose-Buchse. 
Dafür droht übrigens ein Jahr Gefängnis.
 
Laut ADAC werden Tachos nicht nur kurz vor dem Verkauf eines Gebrauchten „frisiert“. 
Das ist auch während der Nutzung üblich. 
Damit die falschen Daten in der Fahrzeughistorie der Hersteller-Werkstatt eingetragen werden, so weniger Laufleistung vortäuschen. 
Ein beliebtes Spiel auch bei Leasingautos.
 
Doch Opfer sind zumeist private Käufer. 
„Die kann es neben dem überhöhten Kaufpreis noch ein zweites Mal treffen“, sagt Markus Sippl.
Er ist Leiter der ADAC Fahrzeugtechnik. 
Etwa wenn der Wechsel vom Zahnriemen laut Tachostand noch Zeit hat. 
„Reißt der dann wegen Überschreiten des Wechselintervalls, kann dies zum tausende Euro teuren Motorschaden führen“, so der Experte.
 
Die „handwerklich sauber“ durchgeführte Tachomanipulation können Werkstätten und die allermeisten Kfz-Sachverständigen in der Regel leider nicht entlarven. 
Helfen können allerdings das Achten auf Unstimmigkeiten. 
Daher folgendes genau auf Plausibilität prüfen:
- Reparaturrechnungen
- AU- und TÜV-Berichte
- Tankbelege (bei Verwendung einer Tankkarte steht dort der Kilometerstand)
- Eintragungen im Inspektionsheft
- Ölwechsel-Aufkleber bzw. Anhänger
So ist ein Ölwechsel spätestens nach 40.000 Kilometern fällig. 
Wenn also ein Auto angeblich erst 100.000 km auf der Uhr hat und der nächste Ölwechsel bei 180.000 fällig ist, dann stimmt etwas nicht. 
 
Hilfreich kann der Kontakt mit den Vorbesitzern sein. 
Zum Beispiel um zu klären, mit welchem Kilometerstand das Auto verkauft wurde.
 
Nicht auf Verkäuferangaben verlassen wie: 
- „Kilometerstand laut Tacho“ 
- „Kilometerstand abgelesen“
Auf schriftlicher Angabe der „tatsächlichen Laufleistung“ im Kaufvertrag bestehen.
 
Hilfreich ist ebenfalls, in der Werkstatt Fehler- und Wartungsintervall-Speicher auslesen zu lassen. 
Die bei Fehlereinträgen teilweise protokollierten Kilometerstände können dann mit den im Tacho angezeigten verglichen werden.
 
Besteht ein konkreter Verdacht, kann das Produktionsdatum von Tacho und Steuergerät in der Werkstatt ermittelt werden. 
Es könnte auch sein, dass diese bei der Manipulation beschädigt und danach ersetzt wurden. 
Teile mit zum Beispiel Herstellungsjahr 2015 (meist ins Gehäuse eingeprägt oder per Aufkleber hinterlegt) passen natürlich nicht zu einem schon im Jahr 2013 hergestellten Fahrzeug. 
Es sei denn, der Vorbesitzer kann einen notwendigen Tausch wegen einem Defekt belegen.

 

 

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