Klassiker aus dem Jahr 1965: der Amphicar 770 konnte auch auf dem Wasser fahren, zu sehen ist einer ganz in der Nähe im PS.Speicher Einbeck

Hanns Trippel war sein Leben lang ein sehr kreativer Mensch, baute zu Beginn der 1960er Jahre den ersten in Großserie gefertigten Schwimmwagen für die zivile Nutzung. Bereits Ende der 50er Jahre gab es einen Prototyp, den Alligator, aus dem dann spätere das 4,3 Meter lange Amphicar entstand. 
von HaJo Rummel


Geld zur Serienfertigung in Berlin und Lübeck kam von einem der damals reichsten Deutschen.
Unternehmer und BMW-Miteigentümer Harald Quandt fand die Idee großartig.
Vor allem für die USA.
Doch der Traum platzte, der Vertrieb über US-Supermärkte funktionierte nicht.
 
Ein Handicap war auch der Preis.
Denn 11.200 Mark war viel Geld.
1965 kostete der VW Käfer 1200 A (34 PS) 4.485 Mark
Für den Porsche 356 waren um die 15.000 Mark fällig.

Am Ende wurden nur 3.878 gebaut.
Ursprünglich waren 25.000 geplant.
Nicht vergessen: wer im Wasser fahren will braucht einen Sportbootführerschein.

Danke für die wunderschönen Fotos an MyGarage.



Die vorne bootsartig hochgezogene Karosserie ermöglicht das Einfahren in ein Gewässer über eine Rampe oder Böschung.

Nach außen geschwungene Heckflossen schützen den Motor vor seitlich hereinschwappenden Wellen. Damals angesagt waren sie natürlich auch.

Egentlich ein ganz normales Auto – mal abgesehen von den zwei Schrauben am Heck

Technische Daten Amphicar 770

- Motor: Reihenvierzylinder hinten längs montiert
2V, unten liegende Nockenwelle, Solex-Fallstromvergaser
- Hubraum: 1.147 ccm
- Leistung: 38 PS (28 kW)
- max. Drehmoment 88 Nm bei 2.500/min
- Getriebe: Viergangschaltung, Wendegetriebe
- Antrieb: Hinterrad/Doppelschrauben

- Fahrwerk: Einzelradaufhängung rundum an Schwingarmen und Federbeinen
- Reifen 6.40 R 13
- Länge: 4,33 Meter
- Breite: 1,565 Meter
- Höhe: 1,52 Meter
- Radstand 2,1 Meter
- Leergewicht: 1.050 kg
- 0–100 km/h: 48 Sekunden
- Spitze auf Land: 120 km/h
- Spitze im Wasser: 6,5 Knoten (12 km/h)
- Neupreis 1961: 11.200 Mark




So wie es amerikanischer Autokäufer lieben: zweifarbige Sitzbezüge und durchgehende Sitzbank vorne.


Reihenvierzylinder mit unten liegender Nockenwelle, zwei Ventiler pro Zylinder und Solex-Fallstromvergaser

Der Vierzylinder-Reihenmotor kommt vom britischen Triumph Herald 1200. 
Ein 1,2 Liter Viertakter.
Er überträgt seine Kraft über eine Einscheibentrockenkupplung auf das in Fahrtrichtung vor dem Motor platzierte Getriebe.
Das vollsynchronisiertes Viergang-Spezialgetriebe baute Hermes in Wuppertal um.
Mit zusätzlich 3:1 übersetztem Wendegetriebe (je ein Vorwärts- und Rückwärtsgang plus Leerlauf) für den Antrieb von zwei Kunststoffpropellern um. 
Im Wasser schaltet der Fahrer das Straßengetriebe zuerst auf Leerlauf.
Dann aktivierte er mit einem zweiten Schalthebel die Schiffsschrauben am Heck.


Hoher Wartungsaufwand

Nach jeder Wasserfahrt waren 13 Schmiernippel mit Fett zu versorgen.
Dazu musste das Fahrzeug aufgebockt und die Rücksitzbank ausgebaut werden.






Kaufberatung
Verkauft wird selten, dann liegen mindestens 30.000 Euro an. 
In der Regel viel mehr, da sie gehegt und gepflegt werden.
So versteigerte Artcurial am 7. Februar 2020 während der Rétromobile in Paris einen Amphicar Schwimmwagen von 1963 für über 71.000 Euro.
 
Die Ersatzteilversorgung ist erstaunlich gut.
Fast alle Teile sind noch im Original oder als Nachbauten zu bekommen. 
Teuer ist allerdings das Wechselgetriebe für die Wasserfahrt.
Mit 12.000 Euro ist man dann immer dabei.
 

Hier noch ein schöner Film zum Amphicar:





Tipps zur Blog-Nutzung

Alles rund um Mobilität: Autos, Bikes, Räder, 
Nutzfahrzeuge, Insider-Tipps, Verkehrsrecht etc.
 

Einfache Themensuche
1. oben im Blog mit der Lupe
(Suchwort eingeben, alles dazu wird gezeigt)
2. Kästen am Textende anklicken


Interessantes senden an:  
achim.stahn@interpress-ipr.de

 

want to know more: 

press buttons below

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ein weiterer Volkswagen-Bestseller wird elektrisch: neuer ID. Tiguan startet Anfang 2027 als Nachfolger von ID.4 und ID.5