Ein Blick zurück in alte Opel-Zeiten: Kapitän, Admiral und Diplomat

Am 21. Januar 1899 wurde der Vertrag unterschrieben, der seither offiziell als Gründungstag der Automobilproduktion bei Opel gilt. Die beiden Brüder Adam und Georg Opel hatten von Fritz Lutzmann Patente und Anlagen für eine Automobilproduktion gekauft.

Die Geschichte von Opel reicht 120 Jahre zurück. Früher waren die Rüsselsheimer auch in der Oberklasse erfolgreich unterwegs.
Hanns-Peter von Thyssen-Bornemisza hat sich das hier einmal etwas ausführlicher angeschaut.


Kapitän, Admiral und Diplomat: die feine Oberklasse lässt grüßen

Opel-Chef Michael Lohscheller mit einem Opel Admiral V8 aus dem Jahr 1965



Opel Kapitän von 1938

Mit großen Autos hatten die Rüsselsheimer von Anfang an wenig Fortune.
Das begann mit dem Modell „Regent“, mit dem Opel gegen Cadillac antreten wollte.
Doch 1928 schloss Opel einen „Cooperationsvertrag“ mit GM.
Anfang 1929 übernahmen die Amerikaner 80 Prozent aller Aktien, 1932 die restlichen 20.

Das von Fritz von Opel geleitete Konstruktionsbüro hatte den Regent mit einem 6,0 Liter-Achtzylinder ausgestattet (110 PS), der den Wagen auf eine Spitze von 120 km/h brachte. Innerhalb von sechs Monaten wurden 1929 insgesamt 25 Exemplare hergestellt.

Den neuen Herren aus Detroit passte die Konkurrenz aus dem eigenen Haus gar nicht.
Im Oktober 1929 wurde die Produktion eingestellt.
Alle Wagen, die bereits das Werk verlassen hatten, wurden zurückgekauft und verschrottet.
Opel musste sich nun auf den Bau von Klein- und Mittelklasse-Wagen beschränken.

Erst 1938 wagte man sich wieder an die Konstruktion eines großen Autos.
Auf dem Genfer Autosalon 1938 stand der Kapitän, eine Luxuslimousine mit zwei oder vier Türen, mit Schrägheck und Alligator-Front, wie sie in den Enddreißigern Mode war.
Das Reserverad lag mit einer Blechverkleidung schräg auf dem Kofferraum.
Im Bug arbeitete ein geschmeidiger 2,5 Liter-Sechszylindermotor mit 55 PS.
Der Wagen zeigte noch keine Pontonform, sondern eingebaute, aber abstehende Kotflügel.
Im Gegensatz zu den kleineren Modellen trug der große Opel eine halbselbsttragende Karosserie.

Nach nur einem Jahr stoppte ihn die nationalsozialistische Regierung.
Der Grund: Opel hatte 1939 in Brandenburg ein komplett neues Lastwagen-Werk eröffnet, in dem der Lastwagen Opel Blitz mit dem gleichen Sechszylinder gebaut wurde wie der Kapitän.
Weil die kw-Produktion wegen des beginnenden Weltkriegs hochgefahren wurde und deswegen die Sechszylindermotoren knapp wurden, musste Opel beim Kapitän zurückstecken.

Im Oktober 1948 beendeten die Alliierten die Reglementierung, nach der die gesamte deutsche Automobilindustrie nur Personenwagen mit Motoren bis 1,5 Liter Hubraum herstellen durfte.
Somit war auch für das Opel-Werk der Weg frei, sein Flaggschiff wieder zu bauen.
Ab Oktober 1948 jedoch nur die viertürige Version.

Der Wiedereinstieg des 2,5 Liter-Sechszylinders mit 55 PS gestaltete sich schwierig, weil im verarmten Deutschland zahlungskräftige Kundschaft fehlte.
So wurde der Kapitän anfangs ausschließlich für den Export gebaut.
Es entfiel auch der Plan, den noch luxuriöseren Typ Admiral wieder ins Programm zu nehmen.

Doch die Form des Kapitän wirkte in der Zwischenzeit antiquiert.
Aus der Auto-Mode gekommen war inzwischen:
- das geteilte Rückfenster
- die hervorstehenden Kotflügel
- die geteilte Frontscheibe
- die Alligator-Front
- das Fließheck mit dem darunterliegenden Reserverad-Schutz.

Die Konkurrenz war inzwischen schon weiter.
So enstand beim Bremer Carl F. Borgward eine Fließheck-Limousine mit Pontonform und großer Heckscheibe: der „2400“.
Ford in Köln erhielt von der Zentrale in Detroit viel Unterstützung bei der Entwicklung des neuen Taunus 12 M, der schon seit 1952 lieferbar war.
Dennoch bote Opel ab Mai 1950 ein neues Modell an, das äußerlich dem Vorgänger glich.
Dass sich äußerlich nichts änderte, erzürnte die Händler sehr.
Und andere nutzten diese Schwäche aus.




Opel Kapitän 1952
Das Flaggschiff präsentierte sich erst ab März 1951 mit einer modernisierten Karosserie.
Auch danach boten Firmen wie die Gelsenkirchener Passat-Werke den Opel-Werkstätten eine modischere Karosserie an, fertig zum Aufbau auf Kundenautos in der Händler-Werkstatt.
Doch auch das neue Design traf noch nicht den Erwartungen.
Der 52-er Kapitän entsprach einem Entwurf von GM aus dem Jahr 1942.
An der Grundkonzeption (halbselbsttragende Karosserie, hinterer Starrachse) änderte sich nichts.
Wie viele sich die Ponton-Karosserie des Passat-Werkes verschönern ließen, ist unbekannt.

Dennoch steigende Verkaufszahlen überzeugte GM in Detroit in Deutschlandzu  investiere.
Die Opel-Techniker bekamen Geld und Know how für eine komplett neue Kapitän-Kaross

Der Luxuswagen, der im November 1953 ins Programm genommen wurde, war größer als das Vormodell, trug eine hochmoderne Pontonform, einteilige gewölbte Frontscheibe, dreiteiliges über die Wagenbreite gezogenes Rückfenster und ein so genanntes Haifischmaul am Bug.
Alle Türen waren vorn angeschlagen.
Der Innenraum war luxuriöser ausgestattet.
Der 2,5 Liter-Sechszylinder leistete 68 PS.

Und die Mühe zahlte sich aus.
Voller Freude über den Erfolg wurde die Innenhalle des Rüsselsheimer Bahnhofs liebevoll mit dem neuen Kapitän als Gemälde ausgeschmückt.
Auch das Mittelklassemodell Olympia wurde im Stil des Kapitäns umgestaltet.

Opel hatte nun Platz 2 der westdeutschen Zulassungsstatistik wieder erreicht.
Die Nr. 1 hatte schon damals uneinholbar Volkswagen besetzt.
Doch die Karten wurden neu gemischt, mit einer amerikanischen Verkaufsmethode wollte Opel wieder Platz 1 erreichen:  jährlicher Modellwechsel, wie er in den USA üblich.
So schaffte es Opel in der deutschen Zulassungsliste ganz nach oben – bei den Luxuswagen.




„Schlüsselloch-Kapitän“
Doch Opel steckte seine Ziele noch ein Stück höher.
Im Juli 1958 erschien der Kapitän 1958, der noch mehr amerikanische Mode trug.

Der Kapitän P-1 (P stand für Panoramascheibe) trug vorn und hinten weit um die Ecken laufende Panorama-Scheiben, die Heckleuchten erhielten die Form eines Schlüssellochs, weshalb der Kapitän unter Oldtimer-Freunden bis heute „Schlüsselloch-Kapitän“ genannt wird.

Die atemberaubende Form barg allerdings in der Praxis Nachteile:
Das stark heruntergezogene Dach erschwerte den Blick nach hinten, die schmalen Fondtüren boten einen nur unbequemen Einstieg in den Fond.
Die ungewöhnliche Form lockte zwar viele, schreckte aber letztlich Käufer ab.


Ab 1960 mit Getriebe-Automatik
Im August 1959 erschien schon wieder ein neuer Kapitän: P 2,6.
Typisch für die neue Linie war das über die Rückscheibe gezogene Dach.
Die Karosserie hatte eine flachere, gestreckte Linienführung mit größerer Panoramascheibe vorn.
Das beim Vorgängertyp kritisierte hinten heruntergezogene Dach wurde geändert, so dass man hinten wieder besser einsteigen konnte.
Äußerlich trug der Kapitän eine stark um die Ecke gezogene Heckscheibe, die vom Dach einige Zentimeter überragt wurde, ein Stilelement, dass in dieser Zeit viele US-Autos trugen.
Mit größerem Hubraum (2.605 ccm) stieg die Leistung auf 90 PS, das Höchsttempo auf 150 km/h.

Nach dem bis Mitte 1960 verwendeten Overdrive bot Opel bei diesem Modell ab Sommer 1960 erstmals als Extra ein automatisches 3-Gang-Hydramatic-Getriebe an, ab 1962 Servolenkung.
Der Wagen wurde der erfolgreichste Kapitän, der je gebaut wurde.
Von Juli 1959 bis Dezember 1963 wurden insgesamt 145 616 P 2,6 gebaut.
Die letzten Neuzulassungen wurden im Februar 1964 verzeichnet.

Der P 2,6 war der letzte Kapitän, der in der Sechszylinder-Klasse noch vor Daimler-Benz in der Zulassungsstatistik lag.
Im Mercedes 220 SE wuchs dem Kapitän allerdings ein Konkurrent heran, der ebenfalls im Herbst 1959 in den Verkauf ging und der etwas trug, das damals einzigartig war:
- passive Sicherheit für die Insassen mit vorderen und hinteren Crash-Zonen
- eingebautem Überrollbügel
- Pralltopf am Lenkrad
- vielen kleinen Details innen, die zur Sicherheit von Fahrer und Beifahrer beitragen sollten.
In der Folgezeit zeigte sich, dass die Kunden den sichereren Mercedes bevorzugten.
Der Kapitän verlor seine Stamm-Kundschaft.

Opel Kapitän von 1938

Opel Kapitän von 1938

Opel Kapitän von 1954

Opel Kapitän von 1959

Opel Kapitän Cabriolet

Opel Kapitän von 1952

Rekord: der zweimillionste Opel war ein Kapitän A

Kennt kaum einer: Opel Kapitän Dreirad





Opel Admiral A
Im April 1964, nachdem der Kapitän für gut 15 Jahre das Opel-Spitzenmodell gewesen war, wurde mit dem Admiral A wieder ein Modell dieses Namens angeboten.
Es verfügte über die gleiche geradlinige Karosserie wie der  Kapitän A und das ebenfalls neu herausgebrachte Spitzenmodell Diplomat A mit V8-Motor.
Die Produktion dieser Serie wurde im November 1968 beendet.

Opel Admiral B
Im März 1969 kam die B-Version heraus, stilistisch und technisch wesentlich verbessert.
Unter der eleganten Karosserie steckte ein vergrößerter Innenraum und auch mehr Leistung.
Im Admiral 2800 E kam erstmals auch eine elektronische Saugrohreinspritzung des Typs Bosch D-Jetronic zum Einsatz.
Im Juli 1976 wurde die Fertigung des Admiral eingestellt.
Die Verwendung einer Modellbezeichnung mit fast 40-jähriger Tradition fand damit ein Ende.


Opel Admiral (1937)

Opel Admiral

Opel Admiral

Opel Admiral (1970)

Opel Admiral (1937)







Opel Diplomat A
Das Spitzenmodell Diplomat lieferte Opel auch mit dem V8-Motor von Chevrolet.
Die Wagen der KAD-B-Reihe waren 32,2 cm kürzer und etwas schmaler als die der KAD-A-Reihe.
Die Karosserie geriet glattflächig und wuchtig mit unübersehbaren US-Einflüssen, die beim angepeilten Käuferkreis in Deutschland und Europa jedoch  nicht so gut ankamen.

Bei Kapitän und Admiral wurden die breiten Rechteckscheinwerfer im Kühlergrill beibehalten, während der Diplomat Scheinwerfer im Hochkantformat erhielt.
Nach Art des Mercedes W111 saßen die Blinker hinter deren annähernd quadratischen, gewölbten Streuscheiben und die Scheinwerfer in den etwas vorgezogenen Kotflügeln.
Auch waren die Rückleuchten des Diplomat kleiner und schmaler als die der anderen beiden.
Alle haben versenkte Scheibenwischer.

Zur Sicherheitsausstattung gehörten:
- Knautschzonen,
- stabile Fahrgastzel
- großzügig verkleideter Innenraum
- Sicherheitslenksäule
- Zweikreisbremsanlage mit Scheibenbremsen vorn
- Bremskraftverstärker
- aufwendige und teure De-Dion-Hinterachse

Auf Wunsch konnten alle drei Modelle mit einer pneumatischen Niveauregulierung ausgerüstet werden, womit die erlaubte Anhängelast auf 2000 kg (gebremst) stieg.
Diese Baureihe war zudem eine der ersten in Deutschland, bei der wichtige Karosserieteile verzinkt wurden (besserer  Korrosionsschutz).

Im Juni 1964 kam der Diplomat A als Luxusmodell der KAD-Baureihe auf den Markt.
Neben der klassischen Limousine gab es (im Gegensatz zu Kapitän und Admiral) ab Februar 1965 eine Coupé-Version, die als Imageträger dienen sollte.
Der Zweitürer wurde beim Karosseriespezialisten Karmann gefertigt:
- V8-Motor
- 5.354 ccm Hubraum
- 230 PS

Die Limousine war zunächst mit einem kleineren V8 mit 4,6 Liter Hubraum und 190 PS erhältlich. Erst ab September 1966 kam gegen Aufpreis der größere Motor aus dem Coupé zum Einsatz.
Der Verkauf des Diplomat Coupés endete im Juli 1967 nach nur 347 Einheiten.
Ddie Limousine wurde noch bis November 1968 hergestellt.



Opel Diplomat B (1969–1977)
Der Diplomat der KAD B-Serie kam im März 1969 zu den Händlern, war aber wie seine Schwestermodelle Kapitän und Admiral nur als Limousine erhältlich.
Die von Mitte 1973 bis Sommer 1977 angebotenen Langversion hatte 15 cm mehr Radstand und dementsprechend mehr Länge.
Das Leergewicht war mit 1.495 bis 1.695 kg (Langversion 1.720 kg) angegeben.
Zur Wahl stand ein Sechszylinder mit 2784 ccm Hubraum und 140 bis 145 PS (Vergaser), 160 bis 165 PS (Saugrohreinspritzung) soder V8 mit 5.354 ccm Hubraum und 230 PS.



Opel Diplomat A V8 Coupé
Die luxuriöse Coupé-Variante des Diplomat gab es nur mit dem 5,4-Liter-Motor, der auch den Nachfolger Diplomat B (1969–1977) motorisierte.
Das  V8 Coupé war die Krone des Opel-Programms.
Allerdings blieben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück.
Die meisten wurden ohne Vinyldach, dafür mit Lederausstattung ausgeliefert.
Von Februar 1965 bis Juli 1967 wurden bei Karmann in Osnabrück 347 Exemplare hergestellt.
 Der Preis betrug zunächst 25.500 DM (ab 18. April 1966: 26.000 DM).
Lederpolsterung kostete 1.500 DM Aufpreis.
Das Diplomat Coupé lag damit preislich über vergleichbaren Sportmodellen.

Die Motorleistung von 190 PS beziehungsweise 230 PS war zur damaligen Zeit selbst in dieser Klasse ungewöhnlich.
Mit einer Beschleunigung von 0 bis 100 km/h in weniger als elf Sekunden und 200 km/h Spitzengeschwindigkeit zählte der Diplomat zu den schnellsten Großserienmodellen in Europa.

Diplomat Coupé V8 (1964)


Opel Diplomat V8 Coupé (1964)


Modifizierter Opel Diplomat V8 von 1976

Opel Diplomat A V8 Coupé (1966)

Opel Diplomat V8 Coupé mit der Fahrgestellnummer 347: das letzte einer bei Karmann gebauten Kleinserie

Opel Diplomat B (1969–1977)

In diesem Opel Diplomat B V8 war 1976 der damalige amerikanische Präsident Gerald Ford unterwegs.






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