Fahren in Autobahnbaustellen: keine Angst vor dem Nadelöhr
Verengte Fahrbahnen, geänderte Verkehrsführung, hohe Staugefahr: diese drei Faktoren machen Autobahnbaustellen zu besonders gefährlichen Abschnitten. Eine Vielzahl an Verkehrsschildern, Tempolimits, Ein- und Ausfahrten, Gegenverkehr nur eine Fahrbahnmarkierung weit entfernt, blinkende Verkehrsführungssignale – unter solchen Bedingungen geraten nicht wenige Autofahrer in Stress. von Achim Stahn
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Gemeinsam mit den Experten vom TÜV SÜD haben wir hier einige wichtige Tipps für das sichere Navigieren durch den Engpass zusammengestellt.
Ausscherende Lkw, schmale Spur, wenig Platz – Autobahnbaustellen sind gefährliche Nadelöhre. Bei Nacht und Regen spitzt sich die Situation noch zu. Gerät der Autofahrer dann in eine brenzlige Situation, bleibt kaum Platz, um zu reagieren. Tipp von Patrick Pöppl, TÜV SÜD: „Auf Autobahnbaustellen heißt es vor allem Ruhe bewahren, Tempolimits genau beachten und vor allem Abstand halten.“
Spuren nutzen
Besonders im Baustellenbereich immer wieder zu beobachten sind Fahrer, die nur auf der linken Spur im erlaubten Tempo oder etwas darüber fahren. Doch „meine Spur“ gibt es bei uns nicht, deshalb wann immer möglich bei längeren Lücken rechts rüber. Das ist auch eine Vorbildfunktion für andere. Der Mensch ist halt ein „Herdentier“.Straßenverschwenkungen
Hier brauchen vor allem Lkw mehr Platz – besonders hier ist ausreichend Abstand wichtig. Deshalb in so einem Nadelöhr auf ausreichenden Abstand achten. Das betrifft auch Einfahrten und Ausfahrten. Überholen oder nebeneinander fahren ist in solchen Bereichen risikoreich. Besser: versetzt fahren.Tempolimit beachten
Häufigste Unfallursache auf Autobahnbaustellen ist überhöhte Geschwindigkeit. Dabei bringt rasen, wenn es eng wird, kaum einen Zeitvorsprung. Rechenbeispiel: Wer bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h mit 100 Sachen unterwegs ist, braucht für eine Strecke von zehn Kilometern sechs statt siebeneinhalb Minuten. Deshalb: Fuß vom Gas.Panne in der Baustelle
Werden Straßenabschnitte erneuert, wird aus Platzmangel meist auf den Standstreifen verzichtet. Deshalb bei einer Panne versuchen, eine Nothaltebucht zu erreichen. Ist dies nicht möglich, Warnblinkanlage einschalten und das Auto am rechten Fahrbahnrand abstellen. Dann müssen alle Insassen Warnwesten anziehen, das Fahrzeug auf der dem Verkehr abgewandten Seite verlassen und sich hinter der Fahrbahnabsperrung in Sicherheit bringen. Auf dem Weg zum Aufstellen des Warndreiecks andere Verkehrsteilnehmer per Handzeichen warnen. Wegen des erhöhten Unfallrisikos auf jeden Fall die Polizei verständigen.Überholen in der Baustelle
Weil die linke Spur oft auf zwei Meter Breite reduziert ist, wird es bei Überholvorgängen ziemlich eng. Vor allem dann, wenn Autos Fahrzeuge wie Omnibusse und Lastwagen passieren. Wer sich bei solchen Manövern unsicher fühlt, sollte auf die rechte Spur wechseln, bis die Baustelle vorüber ist. Der Lkw oder Wagen voraus fährt ja ebenfalls die gerade vorgeschriebene Geschwindigkeit, das ist so stressfreier. Wer clever ist, macht das.Der Alltag zeigt, dass die Lkw-Fahrer mit viel Aufwand und Stress bei unnötigen Überholmanövern solcher Fahrzeuge selbst ganz rechts an die Abgrenzungen fahren müssen, um Berührungen zu vermeiden. Das muss nicht sein.
Hinweis: Bei einem Unfall trägt der Überholende schnell eine Teilschuld.
Linke Spur selbst für einen Golf tabu
Auch überbreite Fahrzeuge – und das sind inzwischen nicht nur die meisten SUV und Geländewagen oder auch Luxuslimousinen – sollten in schmalen Bereichen rechts bleiben und nicht überholen.In vielen Baustellen auf Deutschlands Autobahnen sind die verengten Spuren, vor allem auf der linken Seite, oft nur für Pkw bis maximal zwei Meter Breite zugelassen. Ein neuer VW Golf darf deshalb heute die engen Spuren nicht mehr befahren. Denn zur Breite zählen auch die Seitenspiegel.
Die Folge: Auf vielen Baustellenspuren dürfen nur noch Kleinwagen und Motorräder links unterwegs sein.
Tatsächliche Autobreite steht nicht in den Papieren
Wer wissen will, wie breit sein Fahrzeug wirklich ist, dem hilft der Blick in die Fahrzeugpapiere nur bedingt weiter. Denn hier steht lediglich der Wert ohne Außenspiegel. Autofahrer sollten sich aber über die tatsächliche Breite ihres Fahrzeugs informieren und ggf. selbst nachmessen.Hier einige Beispiele:
BMW Dreier (F30) Limousine = 2,035 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,811 m)
BMW 5er (G30) Limousine = 2,130 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,868 m)
Honda Civic X (F39) Limousine = 2,075 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,799 m)
Mercedes B-Klasse (246) Limousine = 2,020 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,786 m)
Mercedes S-Klasse (F39) Limousine = 2,135 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,899 m)
Mini Clubman (F54) = 2,030 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,80 m)
Peugeot 3008 (II) = 2,10 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,841 m)
Porsche 911 (991) = 1,985 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,852 m)
Renault Kadjar = 2,060 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,836 m)
VW Golf VII = 2,030 tatsächliche Breite (laut Werk: 1,799 m)

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