GTÜ-Experte Frank Weber: unser Praxisvergleich zeigt, dass gute Sommerreifen für die Mittelklasse nicht teuer sein müssen

Schwarz, breit und günstig? Wer seinem Mittelklasse-Wagen ein sportliches Aussehen verleihen will, muss bei der Reifenwahl nicht zwangsläufig auf teure setzen. So lautet das Fazit des aktuellen Sommerreifentests, den die GTÜ wieder einmal gemeinsam mit dem ACE Auto Club Europa durchführte. Wie schon so oft in den vergangenen Jahren. Ein eingespieltes Team.




Getestet wurden diesmal elf Reifen der Größe 235/45 R18, so wie sie in der Mittelklasse gerne eingesetzt werden.

Falken auf Platz eins ...
Sieger war am Ende der Falken Azensis FK510. Er überzeugte sowohl in den einzelnen Testdisziplinen (erzielte z.B. mit 40,89 Metern Bremsweg aus 100 km/h den Bestwert auf nasser Strecke) als auch beim Preis. Mit 554 Euro für einen Satz Reifen liegt er im Mittelfeld aller getesteten Modelle. Die Preisspanne lag zwischen 362 und 774 Euro. Ermittelt wurden diese durch den Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk.
Überraschend gut auf dem zweiten Platz rangierten Kumho mit dem Ecsta PS71 und Nokian mit dem zLine. Beide sind mit knapp 450 Euro (Kumho) und etwa 500 Euro (Nokian) sogar noch günstiger als der Testsieger. Doch sie schneiden in der Summe der technischen Eigenschaften doch etwas schlechter ab als die Nummer eins. Beim Nass-Bremsen brauchten sie z.B. mit 41,79 (Kumho) und 42,07 Metern (Nokian) aus 100 km/h knapp einen Meter mehr als dieser (40,89 m).


Preiswert und sicher ...
Dass es sogar noch preiswerter geht und trotzdem sicher, zeigte der günstigste Reifen im Test: Ein Satz Premitra 5 vom taiwanesischen Hersteller Maxxis kostet nur 362 Euro, bietet insgesamt jedoch noch gute Werte, insbesondere auf trockener Strecke. Da bremste er den Testwagen, einen 280 PS starken Allrad-VW Passat,  innerhalb von 34,25 Metern aus 100 km/h bis zum Stillstand.
Damit erzielte er in dieser Kategorie den dritten Platz. Nur Pirelli (33,58 Meter) und Continental (33,90 Meter) waren noch besser. Zählen hingegen nur die technischen Eigenschaften, würde Continental mit dem Premium Contact 6 und den guten Messergebnissen auf trockener und nasser Strecke auf dem zweiten Platz landen. Der im Vergleich hohe Preis von 740 Euro lässt ihn allerdings auf den fünften Platz zurückfallen.

„Insgesamt war das Feld der Sommerreifen so eng beieinander wie bei keinem bisherigen Reifentest von GTÜ und ACE. Alle elf Sommerreifen erhielten das Testurteil ‘empfehlenswert’. Dem Testsieger Falken Azensis FK510 fehlten am Ende insgesamt nur ein einziger Punkt auf das GTÜ/ACE-Testurteil 'sehr empfehlenswert’. Eine sehr begehrte Auszeichnung in der Branche“, erzählt uns Frank Weber, Geschäftsführer vom Ing.-Büro Gerhold. Er hat zum Jahresbeginn das Ingenieur- und Sachverständigenbüro von Dipl.-Ing. Ekkehard Sambale im Elliehäuser Weg übernommen.

So wurde getestet ...
Bereits seit über zehn Jahren führen die Profis von GTÜ und ACE gemeinsam intensive Tests von Produkten und Reifen durch.
Diesmal war es die Pirelli-Teststrecke in Italien. Die beiden Passat-Messfahrzeuge waren mit modernem GPS-Messequipment ausgestattet.

Für die Bremswegmessung bei Nässe wurden die Wagen zehn Mal auf 80 km/h beschleunigt, dann erfolgte eine Vollbremsung bei aktiviertem ABS. Aus den Einzelwerten wurde ein Mittelwert gebildet, dieser hochgerechnet auf Meter bis zum Stillstand aus 100 km/h (extrapoliert).
Auf trockener Strecke wurden ebenfalls zehn Vollbremsungen durchgeführt. Die so genannte Fensterbremsung fand hier zwischen 100 und 10 km/h statt, auch diese Messwerte wurden anschließend extrapoliert.

Um die Qualität der Reifen bei Aquaplaning zu prüfen, wurden zwei unterschiedliche Verfahren angewendet.
1. Zunächst einmal wurde getestet, wann der Reifen anfängt aufzuschwimmen und den Grip zu verlieren. Dafür wurde eine spezielle Strecke gleichmäßig mit Wasser geflutet (sieben Millimeter tief) und die Geschwindigkeit aufgezeichnet, ab der der Reifen 15 Prozent Schlupf hat.
Gleiche Voraussetzungen herrschten auch in der Disziplin „Aquaplaning quer“, hier wurde allerdings die durchschnittliche Querbeschleunigung in m/s² im Bereich zwischen 60 und 90 km/h ermittelt.

Danach ging es auf der nassen Strecke noch auf eine Kreisbahn mit einem Durchmesser von 80 Metern. Hier wurde die Rundenzeit erfasst. Ein Nasshandling-Parcours mit einer Streckenlänge von 1.250 Metern sowie einer objektiven Bewertung der Fahrzeit und subjektive Bewertung des Fahrverhaltens rundeten die Versuche auf nasser Straße ab.
2. Das Trockenhandling fand auf einer Strecke mit insgesamt 1.410 Metern statt. Auch hier wurde sowohl die Fahrtzeit als auch die subjektiven Eindrücke des Fahrverhaltens bewertet. Vor jeder Fahrt wurden natürlich auch Luft- und Fahrbahntemperaturen protokolliert. Die Außengeräuschmessung fand nach ECE R117 bei 80 km/h statt. Gemessen wurde die Lautstärke in dB(A).
Für den Rollwiderstand wurden die Reifen in eine Maschine eingespannt, der Maschinenversuch fand bei einer Last von 5258 Newton und einem Luftdruck von 2,5 bar statt.     Gerolf Ermisch




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