Porsche Classic liefert Teile für Oldies aus dem 3D-Drucker



Für Besitzer eines raren Klassikers kann die Antwort „das Ersatzteil ist leider nicht mehr lieferbar“ schnell zum Problem werden. Im schlimmsten Fall droht die Stilllegung. Natürlich gibt es weltweit zumeist Hilfe, doch erstens kann das ganz schön teuer sein und zweitens manchmal auch sehr kompliziert. Abhilfe schafft nun der Klassikbereich von Porsche mit Hilfe von 3D-Druckern.


Gefragter Klassiker: der hier abgebildete Porsche 356 B hat in den vergangenen Jahren eine enorme Preissteigerung hingelegt. Auch für diesen historischen Klassiker gibt es natürlich nicht unbegrenzt Ersatzteile. Daher nutzt Porsche Classic das 3-D-Druckverfahren, um seltene Teile liefern zu können. Unten auf dem Bild ist zum Beispiel ein so gefertigter Winkel am Wärmetauscher der Abgasanlage vom Porsche 356 B bzw. 356 C zu sehen.

Teile, die extrem selten sind und nur in geringen Stückzahlen benötigt werden, kommen bei Porsche Classic ab sofort ruckzuck aus dem 3D-Drucker, erfüllen dabei technisch und optisch die Voraussetzungen für höchste Originaltreue. Dreidimensionale Konstruktionsdaten oder ein 3D-Scan des Bauteils genügen als Ausgangsbasis für die Produktion. Die Komponenten sind auf Abruf herstellbar, so entfallen teure Werkzeug- und Lagerkosten.

Das Sortiment von Porsche Classic umfasst rund 52.000 Teile. Ist ein bestimmtes Ersatzteil nicht mehr auf Lager oder geht der Bestand zur Neige, wird es mit den Originalwerkzeugen nachgefertigt. Bei größeren Stückzahlen kommt auch die Produktion mit neuen Werkzeugen in Frage. Ersatzteile, die nur in sehr begrenzten Stückzahlen nachgefragt werden, sind immer eine Herausforderung, denn den Kunden soll eigentlich unkompliziert geholfen werden. Eine Nachfertigung in kleinen Mengen ist in der Regel nicht realisierbar da unwirtschaftlich. Doch was tun?

Aus dem Drucker: Ausrückhebel für die Kupplung des 959
Die inzwischen sehr hohe Qualität der so genannten additiven Herstellungsverfahren bietet für die Fertigung kleiner Stückzahlen eine wirtschaftliche Alternative. Ein gutes Beispiel dafür ist der nicht mehr lieferbare Ausrückhebel für die Kupplung des Porsche 959.
Das Bauteil aus Grauguss unterliegt sehr hohen qualitativen Anforderungen, wird aber selten benötigt – nur 292 Exemplare des Supersportwagen wurden gebaut. Als Fertigungsverfahren kam nur das selektive Laserschmelzen in Frage. Für den Ausrückhebel wird pulverförmiger Werkzeugstahl computergesteuert in einer weniger als 0,1 Millimeter dünnen Schicht auf eine Bearbeitungsplatte aufgetragen. Ein energiereicher Lichtstrahl schmilzt das Pulver an den gewünschten Stellen unter einer Schutzgasatmosphäre zu einer Stahlschicht. Schicht für Schicht entstaht so das komplette dreidimensionale Bauteil. Sowohl die Druckprüfung (Belastung von knapp drei Tonnen) als auch die anschließende tomographische Untersuchung auf innere Fehler absolviert der gedruckte Ausrückhebel mit Bravour. Auch die Praxistests mit Einbau in ein Versuchsfahrzeug und ausgiebigen Fahrversuchen bestätigen die einwandfreie Qualität und Funktion.


Porsche 959: Auch für ihn ist die Erstzteilversorgung durch Porsche Classic hervorragend, inzwischen werden einige selten georderte Teile sogar im 3-D-Drucker hergestellt, z.B. die unten gezeigte Tankdeckeldichtung.
 
Aufgrund der durchweg positiven Erfahrungen fertigt Porsche bereits acht weitere Teile im 3D-Druck. Stahl- und Leichtmetallteile (entstehen mit Hilfe des selektiven Laserschmelzens) und Komponenten aus Kunststoff (werden per SLS-Drucker hergestellt). Für alle Teile gelten mindestens die Qualitätsanforderungen des ursprünglichen Produktionszeitraums, in der Regel erfüllen sie sogar höhere Standards. Maßhaltigkeit und Passgenauigkeit stellen Einbauversuche sicher. Kunststoffteile, die wie im Original aus verschiedenen Werkstoffen entstehen, sind je nach Einsatzbereich gegen Öle, Kraftstoffe, Säuren und Licht beständig.

Swen Riediger vom Porsche Zentrum Göttingen: „Porsche Classic prüft derzeit für weitere 20 Bauteile, ob eine Fertigung im 3D-Druck möglich ist".


Der Porsche 911 Speedster in all seiner Pracht mit versenktem Verdeck. Neu im 3-D-Drucker hergestellt wird der hier gezeigte Spiegelfuß für den Innenspiegel












Porsche 964: Auch für ihn gibt es bereits Teile aus dem 3.-D-Drucker: unten ist ein Antriebshebel zu sehen.







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Kommentare

  1. Habe zwar keinen alten Porsche (leider), die Idee finde ich jedoch Klasse. Angeblich soll Adidas sogar Turnschuhe aus dem Drucker anbieten ...

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